Ich weiß noch wie mein Lehrer diese Frage in die Runde stellte und wie ich meine Hand hob. Meine ganze Kindheit über hatte meine Mutter eine kleine Kamera, die sie hin und wieder rausholte um Schnappschüsse zu machen. Blitze waren würfelförmig, der Film wurde mit einem federnden Daumenhebel weitergedreht und irgendwie klang das immer als wäre die Kamera just in diesem Moment kaputt gegangen.

Meine Hand ging also hoch weil ich die Kamera öfter mal benutzen durfte und nachdem ich mich erklärt hatte lernte ich, dass das nicht gemeint war. Ich würde nur knipsen. In anderen Worten: Ich wusste eigentlich nicht was ich tat. Er suchte aber nach jemandem, der mit ihm in der Foto-AG die Dunkelkammer benutzen wollte und sich eben nicht mit Knipsen sondern mit Fotografie beschäftigte. Klang damals langweilig für mich.

Und so blieb das dann Knipserei bis ich 2003 vor der ersten digitalen Spiegelreflexkamera unter 1000$ stand. Die Canon 300D. Ich hatte schon diverse Digitalknipsen gehabt und die Fotoalben aus der Zeit sind gefüllt mit Familienschnappschüssen, langweiligen Landschaftsshots, Urlaubsszenen mit abgeschnittenen Füßen.

Heute würde ich dieses Bild wahrscheinlich gar nicht erst machen oder direkt aussortieren. Trotzdem war es das erste Foto auf das ich jemals so richtig stolz war…

Die Canon änderte das. Nicht falsch verstehen: Auch heute, 16 Jahre und tausende Bilder später, würde ich nicht von mir behaupten zu wissen was ich tue. Die meisten Bilder kommen immer noch anders heraus als ich es mir wünsche und meine Familie und unsere gemeinsamen Urlaube sind auch weiterhin Hauptmotive. Der Unterschied ist nur, heute versuche ich es wenigstens zu lernen.

Nachts durch die Stadt streifen und Bilder schaffen, zu denen ich gerne zurückkehre. Damals wie heute ist das meine Grundmotivation.

Die Herausforderung: Wie schon beim Podcasting muss Gelegenheit her und der innere Schweinehund will überwunden werden. Darum habe ich jetzt eine Foto-Challenge bei der ich einmal täglich ein Bild posten möchte, das über die Schnappschussschwelle hinaus geht. Egal ob in der Grundidee gelungen oder nicht – solange es absichtlich entstanden ist, kommt es in die engere Auswahl. Und irgendwann kann ich gezielt schaffen was mir heute mangels Übung oft nur per Zufall gelingt.