Fast genauso beinahe gleich

Es ist 2021 und meine Fotobubble sabbert. Nikon hat es getan! (Kreisch!)

Sie haben endlich(!) auch eine „retro-inspired“ Kamera auf den Markt gebracht. Mancher Fotopodcaster wundert sich weil die Kamera kaum einen Vorteil gegenüber der 200€ billigeren Z50 hat, erklärt das aber mit dem Verdacht die Strategen bei Nikon hätten sich beeilen müssen weil ja vielleicht demnächst ein anderer, womöglich Canon, auch bald auf den Retro-Zug aufspringen könnte. (Uff, naja… Kameras werden ja nicht über Nacht entworfen und herausgebracht. Ich habe Zweifel 🙂 )

Derweil vermittelte ich unseren Internet Overlords durch mein neugieriges Surfen den Eindruck ich wäre Zielgruppe für das Ding und bekomme daher auch die übliche Batterie an YouTube-Videos vorgeschlagen. In denen ist man sich einig: Die Kamera ist genial, bahnbrechend geradezu!

Besonders weil sie *drummroll* der Nikon FM „zum Verwechseln!1!!“ ähnlich schaue! *tusch!*

*hust*

Ok, lasst uns doch mal draufschauen.

Hier ist die Nikon FM2:

Hier die Nikon Zfc

Nikon Zfc Camera and Related Lenses Announcement - Photography Life

Hier sind die beiden Kameras von vorne:

Neue Nikon Z fc: Technik der Z 50 im schicken Retro-Gehäuse | photoscala

Ich sag mal so: Die Kamera hat ihre Designsprache von den teilmanuellen Kameras des 20. Jahrhunderts. Da endet die Verwechslungsgefahr aber. Die Zfc könnte genauso gut als „sieht fast aus wie einen Canon AE-1“ beschrieben werden:

Modern Classic SLR Series - Canon AE-1

oder meine Lieblings-Analoge, die Pentax MX:

Pentax MX: A Small Wonder of the 70's · Lomography

Der Hauptunterschied? Die echten Klassiker hat man interessierten Neulingen in ca. 10 Minuten erschöpfend erklärt während die Zfc eigentlich nichts richtig konsequent umsetzt. Diese angeblich analogen Bedienelemente stehen nicht für sich allein, die Kamera hat auf der Seite einen PASM Modus-Wahlhebel aber zusätzlich kann man eben auch auf eigenen Rädern Geschwindigkeit, ISO und Belichtungskorrektur wählen. Der Touchscreen und das Kameramenü wird tausend Möglichkeiten bieten und Ich gehe davon aus dass diese Kamera den Einsteiger erst mal überfordern wird (bzw. dazu zwingt alles auf Automatik zu lassen). Belichtungskorrekturrad, „manuelle“ Belichtungseinstellungen und PASM sind überlappend-konkurrierende Bedienungskonzepte und eigentlich würde eine Philosophie völlig ausreichen.

Zum Vergleich, hier sieht man wie Leica das löst:

Details // Leica Q2 // Leica Q // Fotografie - Leica Camera AG

Und ja, das funktioniert, auch wenn man damit Video aufzeichnen will…

Mein Fazit: Die Nikon Zfc ist design-seitig „a hot mess“, sieht längst nicht so toll aus wie viele gerade tun und ist technisch überholt. Für über 1000€ bekommt man mit der Zfc eine Kamera wie sie vor 3-5 Jahren state of the art gewesen wäre, heute aber enttäuscht und wer sich in das Retro-Design verguckt findet bei Fuji Kameras die für vergleichbares Geld nicht nur besser ausgestattet sind sondern auch durchdachter bedient werden. Weder preislich noch vom Bedienkonzept her ist die Kamera für Einsteiger gemacht sondern für Leute mit Erfahrung und genau die werden sich fragen warum sie so wenig Kamera für so viel Geld kaufen sollen…

Außer natürlich man liebt einfach Nikon ganz grundsätzlich, wollte schon immer eine Nikon-Retro-Kamera mit einigermaßen aktuellen Möglichkeiten haben und ist in der glücklichen Lage, dass ein paar hundert Euro hin oder her egal sind. Dann ist die Kamera genau richtig, das ist aber vermutlich eine vergleichsweise kleine Zielgruppe und ich würde Nikon eigentlich einen größeren Erfolg wünschen and dem ich so jetzt erst mal Zweifel habe…

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